The Long Journey Home

The Long Journey Home

Daedalic Entertainment versetzt uns mit The Long Journey Home an das Ende der uns bekannten Galaxie, damit wir die lange Reise zurück nach Hause auf uns nehmen.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit begibt sich eine vierköpfige Mannschaft auf die Mission eines bemannten Lichtsprungs. Mit dem neu erforschten Antrieb sollen wir uns auf die Reise zum nahegelegenen Sternsystem Alpha Centauri begeben, doch etwas geht schief und die Crew landet am anderen Ende der Galaxis. Mit schwindenden Reserven und einer Karte, auf der unsere Erde verzeichnet ist, schickt uns das deutsche Entwicklerstudio Daedalic Studio West auf eine lange Reise zurück nach Hause.

The Long Journey Home

The Long Journey Home Daedalic Entertainment

 

Das Spiel beginnt mit dem Zusammenstellen unserer Mannschaft. Insgesamt stehen uns zehn verschiedene Charakter zur freien Auswahl, jeder von ihnen bringt einen bestimmten Gegenstand mit sich, der uns beim Durchstreifen der Galaxie von Nutzen sein könnte. Die Ingenieurin etwa hat einen Werkzeugkasten zur Reparatur dabei, ein Forscher stellt uns sein Ungezieferspray zur Abwehr von Krabbeltieren zur Verfügung. Was zuerst unnütz erscheint, könnte uns im Laufe des Spiels das Leben retten.

Neben der Auswahl unserer Crew können wir unser Schiff und das Landemodul auswählen und dadurch bestimmen, wie groß der Tank oder der Frachtraum sein soll und wie viel unsere Schutzschilde aushalten. Am Ende müssen wir einen Code, den sogenannten Seed eingeben, um unsere Galaxie zu generieren. Das ist ein nettes Gimmick, denn wenn wir diesen mit unseren Freunden teilen, fliegen sie in der gleichen Galaxie umher. Da The Long Journey Home ein Einzelspieler-Spiel ist, werden wir sie nicht im Weltall antreffen, aber über die gemeinsamen Erfahrungen dürfen wir uns mit ihnen austauschen. Von hier an betreten wir die unerforschte, zufällig generierte Spielwelt, in der allerlei Gefahren lauern, denen wir uns stellen müssen.

Gespielt wird das Ganze in einer zweidimensionalen Draufsicht. Die Sternensysteme sind gefüllt mit Satelliten, Planeten, Schiffswracks, Händlern und vielen anderen Dingen, die wir in unserem Spieldurchlauf entdecken werden. Statt auf einen Planeten zu blicken und im Anschluss mit einem Ladebildschirm begrüßt zu werden, müssen wir Spieler selbst in die Umlaufbahn des angesteuerten Planeten eindringen, um im Anschluss mit dem Landemodul auf ihm zu landen. Bei der Annäherung an den Planeten bremsen wir die Geschwindigkeit des Schiffes ab, um mit entsprechender Rücksicht auf das Gravitationsfeld unser Raumschiff in die Umlaufbahn einlenken. Ein kurzer Scan gibt eine kleine Übersicht zum Planeten bezüglich des allgemeinen Risikos, der Wind- und Wetterkonditionen und welche Begebenheiten wir ansonsten erwarten dürfen.

Jede Bewegung mit unserem Schiff verschlingt Ressourcen und deshalb müssen wir Ziele vorausschauend planen, anstatt sinnlos umher zu fliegen. Ist ein Planet angesteuert worden, übernehmen wir die Kontrolle über die Fortbewegung des Landemoduls. Hier empfehle ich ganz klar den Controller, denn mit der Tastatur ist die Steuerung oftmals sehr mühselig. Sind wir bei der Landung zu unvorsichtig oder zu schnell, steckt das Modul selbst und das sich darin befindliche Crewmitglied Schaden ein. Diese Verletzungen müssen später auf dem Schiff mit Hilfe entsprechender Ressourcen behandelt werden, sonst verschlimmern sie sich und wirken sich negativ auf den weiteren Missionsverlauf aus. Es gilt also stets die vorhandenen Güter zu überblicken und genau zu planen, auf welchen Planeten wir landen müssen, um die gewünschten Rohstoffe zu erhalten.

Auf den Planeten erwarten uns entweder reichhaltige Ressourcenquellen oder Orte, die unser Landemodul-Pilot erkunden darf. Diese kleinen Missionen werden nicht in dreidimensionaler Sicht dargestellt, stattdessen verfolgen wir die Aktionen unseres Crewmitglieds in Form von Bildschirmtexten, ähnlich einem alten Textadventure.

Während sämtliche Spieler im vergangenen Jahr den Release von No Man's Sky sehnlichst erwarteten (und enttäuscht zurückblieben), ließ mich das Spiel als Sci-Fi-Fan kalt. Der Titel bot mir zu wenig Interaktionen mit der Spielwelt und keine interessanten Optionen, mit den anderen Spezies zu interagieren. Das angeblich unendliche Universum fühlte sich für mich unglaublich verlassen und unbewohnt an. The Long Journey Home verspricht diese Leere zu füllen und bietet uns mit einer Vielzahl interessant gestalteter Wesen die gewünschte Authentizität.

Neben dem Erkunden diverser Planeten steht in The Long Journey Home die Interaktionen mit fremden Kulturen im Vordergrund. Je nachdem, ob wir es mit einer friedlichen oder eher feindlich gesinnten Rasse zu tun haben, können wir Aufgaben erhalten, Ressourcen austauschen oder hilfreiche Dinge einkaufen. Hierbei fällt auf, dass Daedalic die Aliens nicht nur als stumpfe Option für den Rohstoff-Austausch eingeplant haben. Jede Rasse besitzt ihre eigene Religion, Aussehen, Schiffe und Persönlichkeit. In einem Dialogsystem haben wir die Möglichkeit die Aliens nach diversen Dingen, wie ihrer Herkunft oder nach dem Volk selbst zu fragen.

The Long Journey Home

Während uns friedlich gesinnte Aliens gerne etwas über ihre Religion erzählen und manchmal sogar ein Friedensgeschenk überreichen, brechen andere genervt die Kommunikation ab, wenn wir sie mit solchen Fragen bohren. An einigen Stellen sind bedächtig gewählte Interaktionen mit den Weltraum-Spezien sogar essentiell, da diese über unseren Ruf in der Galaxie entscheiden. Haben wir es uns bei einem der Völker verscherzt, kommen wir vielleicht nicht ohne Kampf durch das von ihnen bewachte Sprungtor ins nächste System. Ähnlich wie bei der Civilization-Reihe ist es also uns überlassen, ob wir mit den intergalaktischen Bewohnern diplomatische Pakte eingehen wollen oder diese lieber aus der Ferne mit Waffengewalt begegnen.

Was The Long Journey Home durch die unterschiedlich gestalteten Rassen an Immersion gewinnt, verliert es gleichzeitig bei der eigenen Mannschaft. Jeder Charakter bringt seine eigene Persönlichkeit mit in die Crew, so richtig überzeugen konnten mich diese aber insgesamt nicht. Wenn ich mich an die Selbstmordmission von Mass Effect 2 zurück erinnere, weiß ich noch genau, wie angespannt ich damals auf den Zettel blickte, der mir verriet, wie ich es schaffe, dass keines meiner Mitglieder stirbt. Wenn ich im Laufe meiner (oftmals gescheiterten) Spieldurchläufe von The Long Journey Home ein Mitglied verloren habe, vergaß ich meist schon nach kurzer Zeit, wie dieses überhaupt aussah. Es fehlt einfach an Interaktion zwischen den einzelnen Crew-Mitgliedern und uns Spielern, damit sich eine vergleichbare emotionale Verbindung aufbaut, wie ich sie damals bei Mass Effect 2 spürte.

Schiffswracks, Händler, Aliens und eine Vielzahl an Sternensystemen - The Long Journey Home ist gepackt mit zufallsgenerierten Inhalten und durch die relativ kurze Spieldauer ein perfekter Kandidat für das Spiel zwischendurch. Die verschiedenen Völker und die Interaktionen mit ihnen schaffen es, dass sich das Universum tatsächlich lebendig anfühlt und punkten dort, wo viele Spiele zuvor gescheitert sind.

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